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Perus ehemaliger Präsident Castillo muss 18 Monate in Untersuchungshaft bleiben
Seit Tagen gibt es in Peru wegen der Absetzung von Pedro Castillo gewaltsame Proteste - nun muss der Ex-Präsident 18 Monate in Untersuchungshaft bleiben. Dies entschied am Donnerstag das Oberste Gericht des Landes unter Verweis auf eine mögliche Fluchtgefahr. Zeitgleich zu dieser Entscheidung protestierten erneut zahlreiche Menschen im ganzen Land für seine Freilassung. Am Donnerstag wurden bei den Demonstrationen mindestens sieben Menschen getötet.
Das Oberste Gericht folgte mit seiner Entscheidung einer Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte die bestehende Fluchtgefahr unter anderem damit begründet, dass Castillo nach seiner Amtsenthebung versucht habe, in der mexikanischen Botschaft in Lima Schutz zu suchen.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Staatschef "Rebellion" und "Konspiration" vor, ihm drohen bei einem Schuldspruch bis zu zehn Jahre Haft. Die Anwälte Castillos kündigten umgehend nach der Entscheidung des Obersten Gerichtes zur Verlängerung der U-Haft an, in Berufung zu gehen. Castillos Anwalt Ronald Atencio erklärte, nicht zur Anhörung gegangen zu sein. "Wir weigern uns, uns an dieser Farce zu beteiligen."
Castillo war am 7. Dezember vom Parlament wegen "moralischer Unfähigkeit" des Amtes enthoben und später festgenommen worden. Der linksgerichtete bisherige Präsident sieht darin ein politisches Komplott. Nach seiner Absetzung wurde seine bisherige Stellvertreterin Dina Boluarte als neue Präsidentin vereidigt. Angesichts der Proteste hatte diese ein Vorziehen der Parlamentswahlen angekündigt - und zugleich einen landesweiten Ausnahmezustand verhängt.
Mit dem Ausnahmezustand ist nun unter anderem die Armee befugt, gegen Proteste vorzugehen. Trotzdem gingen auch am Donnerstag in vielen Orten wieder Anhänger Castillos auf die Straße. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden dabei am Donnerstag mindestens sieben Menschen getötet. Damit stieg die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Proteste nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 15. Etwa 340 Menschen wurden verletzt.
"Ich bin absolut nicht einverstanden mit dem peruanischen Justizsystem", sagte in Lima Castillo-Unterstützer Rolando Arana nach der Entscheidung des Obersten Gerichts. "Alles ist käuflich." Auch Lucy Carranza war sich sicher: "Unser Präsident wurde gekidnappt. Anders kann man es nicht bezeichnen."
In Peru gebe es "keine Gerechtigkeit", kritisierte Estefania Rivera. In dem "Rekordverfahren" gegen den Ex-Präsidenten zeige sich "unsere Geschichte von Klassismus und Rassismus gegen die indigenen Völker und das ländliche Peru".
Der 26-jährige Jorge Sandoval hingegen begrüßte die Inhaftierung Castillos. Er sei weder für Castillo noch für Boluarte, sondern demonstriere für Peru und für Wahlen. "Das Volk muss entscheiden", sagte er.
In der Hauptstadt zog unter anderem ein Protestzug von bis zu 3000 Menschen durch einen Vorort Richtung Zentrum. Vor der Polizeikaserne in Até östlich von Lima, in der Castillo festgehalten wird, campieren viele seiner Unterstützer und fordern seine Freilassung. Besonders heftige Proteste gab es auch im Süden des Landes, wo fünf Flughäfen weiter geschlossen blieben. Quer durchs Land sind zudem mehr als hundert Straßen von Demonstranten blockiert.
Castillo war im Juli 2021 als politischer Außenseiter an die Staatsspitze gewählt worden. Seitdem befand sich der 53-Jährige in einem ständigen Machtkampf mit dem konservativ dominierten Kongress, der ihn schließlich in der vergangenen Woche entmachtete.
F.Ramirez--AT