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Selenskyj fordert bei Sacharow-Preis-Verleihung Sondertribunal für Ukraine-Krieg
Anlässlich der Verleihung des Sacharow-Preises für Menschenrechte an die ukrainische Bevölkerung hat deren Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut dazu aufgerufen, ein Sondertribunal für den russischen Krieg in der Ukraine einzusetzen. "Ich appelliere an Sie alle, Ihre Parteien und Staaten, diese Arbeit wirksam zu unterstützen. Das Tribunal muss seine Arbeit beginnen", sagte Selenskyj am Mittwoch per Videoschalte im Straßburger Europaparlament.
In seiner Ansprache an die Europaabgeordneten erklärte der ukrainische Präsident weiter, dass mit einer solchen Arbeit nicht gewartet werden dürfe. "Wir können nicht das Kriegsende abwarten, um all diejenigen vor Gericht zu stellen, die diesen Krieg ausgelöst haben", sagte er.
Die Einrichtung eines Sondertribunals zur Ahndung von "Verbrechen Russlands" in der Ukraine hatte die EU-Kommission bereits vorgeschlagen. Auch Selenskyj hat dies bereits mehrfach gefordert, ebenso wie die baltischen Staaten. Nach Angaben des ukrainischen Staatschefs soll Moskau für das "Verbrechen der Aggression" vor Gericht gestellt werden.
Im Anschluss an seine Rede rief Selenskyj die Abgeordneten des EU-Parlaments zu einer Schweigeminute für die Ukrainerinnen und Ukrainer auf, "deren Leben durch diesen russischen Krieg genommen wurde".
Nach Selenskyjs Rede nahmen stellvertretend für die "mutige ukrainische Bevölkerung", wie das Parlament sie im Oktober bei der Bekanntgabe der Gewinner bezeichnet hatte, Menschen aus Politik und Zivilgesellschaft den Preis entgegen.
Darunter waren die Friedensnobelpreisträgerin und Leiterin des ukrainischen Zentrums für Bürgerliche Freiheiten (CCL), Oleksandra Matwijtschuk, die Sanitäterin Julija Pajewska der medizinischen Evakuierungsgruppe "Tairas Engel" sowie Iwan Fedorow, der Bürgermeister von Melitopol. Die Stadt im Osten der Ukraine ist derzeit von Russland besetzt.
"Ich weiß, dass die mutige Bevölkerung der Ukraine nicht aufgeben wird, und lassen Sie mich Ihnen versichern, dass wir das auch nicht tun werden", sagte EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola.
Für den mit 50.000 Euro dotierten Preis waren auch der inhaftierte Wikileaks-Gründer Julian Assange und die kolumbianische Wahrheitskommission, die Menschenrechtsverletzungen des jahrzehntelangen Konflikts im Zusammenhang mit der Guerillaorganisation Farc aufarbeitete, nominiert.
Im vergangenen Jahr war der Preis an den inhaftierten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny gegangen. Nawalnys Tochter hatte stellvertretend für ihn die nach dem 1989 verstorbenen sowjetischen Dissidenten Andrej Sacharow benannte Auszeichnung entgegengenommen.
T.Perez--AT