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"Göttin des Reichtums": Urteil für chinesische Betrügerin in London erwartet
Sie betrog mit ihrem Schneeball-System mehr als 128.000 Menschen in China und versuchte, den Milliardengewinn in Großbritannien zu waschen: Nun soll in London das Urteil über die Chinesin Zhimin Qian fallen, Spitzname: "Göttin des Reichtums". Am Southwark Crown Court in London begannen am Montag die letzten Anhörungen, am Dienstag soll das Urteil in dem Strafprozess gesprochen werden.
Qian bekannte sich bereits schuldig - die heute 47-Jährige stand in den Jahren 2014 bis 2017 an der Spitze eines Schneeballsystems. Dabei wird das Geld neuer Kunden genutzt, um älteren Mitgliedern die versprochenen hohen Renditen auszuzahlen. Mehr als 128.000 Menschen in der Provinz Tianjin wurden so betrogen.
Qian tauschte das meiste Geld ihrer Opfer in Bitcoin und setzte sich, als Ermittlungen in China begannen, mit Hilfe gefälschter Dokumente im September 2018 nach Großbritannien ab. Dort versuchte sie, das Geld zu waschen, etwa mit dem Kauf eines Hauses in London für 23 Millionen Pfund. Dabei half ihr eine Komplizin, Jian Wen, die bereits 2024 zu einer Strafe von sechs Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden war.
In Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden und nach der Überwachung eines malaysischen Komplizen beschlagnahmte die britische Polizei dann 61.000 Bitcoin - heutiger Wert: mehr als sechs Milliarden Dollar oder fünf Milliarden Euro. Qian wurde danach im April 2024 in York festgenommen, in ihrem Besitz: Bargeld, Gold und Kryptowährungen in zweistelliger Millionenhöhe.
"Das ist wahrscheinlich der wertmäßig größte Prozess dieser Art, in den eine Privatperson und nicht ein Unternehmen verwickelt ist", sagte Opferanwalt William Glover der Nachrichtenagentur AFP. Neben dem Strafprozess läuft auch ein Zivilprozess gegen Qian vor dem High Court in London. Mehr als 1300 Betrugsopfer fordern dort Entschädigung.
Opferanwalt Jackson Ng sagte im Oktober, Qian habe große Veranstaltungen organisiert und behauptet, von der Regierung unterstützt zu werden. Die Leute seien durch Mund-zu-Mund-Propaganda angelockt worden. Die Opfer seien oft "Menschen mit wenig Finanzwissen wie Landwirte, Metzger, Taxifahrer oder Hausfrauen", sagte Ng. Ihnen versprach Qian, sie würden bei einem Einsatz von umgerechnet 6000 Pfund jeden Tag zehn Pfund Zinsen bekommen.
Die Angeklagte hatte sich in dem Strafprozess Ende September schuldig bekannt. Ihr drohen bis zu 14 Jahre Gefängnis. In dem Prozess ist sie lediglich wegen Besitzes und Transfers von Vermögenswerten kriminellen Ursprungs angeklagt. Ihr Anwalt Roger Sahota sagte im September, alle Opfer würden entschädigt - weil der Wert des Bitcoin seit 2018 von rund 3600 Dollar auf aktuell rund 100.000 Dollar gestiegen ist.
Th.Gonzalez--AT