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Vier Hamas-Geiseln aus Gazastreifen gerettet - Hamas beklagt mehr als 270 Tote
Israel hat am Wochenende die Befreiung von vier Geiseln aus der Gewalt der radikalislamischen Hamas gefeiert. Acht Monate nach dem Hamas-Großangriff auf Israel wurden sie am Samstag nach Armeeangaben bei einer "komplexen" Befreiungsaktion in Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens gerettet. Die Hamas warf Israel vor, bei dem Einsatz in der Flüchtlingssiedlung Nuseirat mehr als 270 Menschen getötet zu haben. Die USA nahmen ihre Hilfslieferungen über den Gaza-Pier wieder auf.
Bei den befreiten Geiseln handelt es sich nach Armeeangaben um die 26-jährige Noa Argamani, den 22-jährigen Almog Meir Jan, den 27-jährigen Andrey Kozlov und den 41-jährigen Schlomi Ziv. Die vier Israelis waren den Angaben zufolge beim Großangriff der Hamas am 7. Oktober auf ein Musikfestival im Süden Israels verschleppt worden.
Die vier Israelis seien bei guter Gesundheit, teilte die Armee mit. Sie veröffentlichte Aufnahmen vom emotionalen Wiedersehen der befreiten Geiseln mit ihren Angehörigen. An einem Strand in Tel Aviv brach Jubel aus, als der Bademeister die Befreiung der Geiseln bekanntgab.
Nach Angaben der Armee wurden die vier Geiseln am Samstag aus einem Wohngebiet der Flüchtlingssiedlung Nuseirat befreit. Armeesprecher Daniel Hagari sagte, die Israelis seien in zwei Wohnungen in verschiedenen Gebäuden festgehalten worden. In den drei- und vierstöckigen Häusern hätten sich neben Bewachern auch Zivilisten aufgehalten.
In der Wohnung, in der die drei Männer festgehalten wurden, gerieten die Befreier unter Beschuss, wie Hagari sagte. Ein Polizist sei während der Gefechte schwer verletzt worden und später seinen Verletzungen erlegen. Auch während ihres Rückzugs seien die Israelis "von Terroristen angegriffen" und mit Panzerfäusten beschossen worden.
Die im Gazastreifen herrschende Hamas erklärte, bei den israelischen Angriffen in Nuseirat seien 274 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt worden. Ein Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas erklärte am Sonntag, bei der Befreiungsaktion seien auch mehrere israelische Geiseln getötet worden. Die Angaben der militanten Palästinenserorganisation können nicht unabhängig überprüft werden.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, die Befreiungsaktion zeige, "dass Israel nicht vor dem Terrorismus kapituliert" und weiter mit "Kreativität und Mut" handeln werde, um die Geiseln nach Hause zu bringen.
"Noa, Almog, Andrey und Schlomi: Wir sind sehr überglücklich, euch zu Hause willkommen zu heißen", erklärte der israelische Verteidigungsminister Joav Gallant. Das Forum der Geiselfamilien nannte die Befreiung einen "wundersamen Triumph" und rief die israelische Regierung auf, sich für die Freilassung der verbliebenen Geiseln einzusetzen.
In Tel Aviv versammelten sich tausende Demonstranten und verlangten ein Ende des Kriegs. Es werde nicht möglich sein, alle verbliebenen Geiseln bei Militäreinsätzen zu befreien, sagte Michael Levy, dessen Bruder Or sich noch immer in der Gewalt der Hamas befindet.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nannte die Befreiung der vier Israelis "ein wichtiges Zeichen der Hoffnung" für die Angehörigen der noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sprach ebenfalls von einem "Hoffnungsschimmer".
US-Präsident Joe Biden versicherte bei einem Besuch in Frankreich, sich weiter für eine Freilassung aller Geiseln und eine Waffenruhe im Gazastreifen einzusetzen. US-Außenminister Antony Blinken, der am Montag erneut zu einem Besuch in der Region erwartet wird, appellierte an die Hamas, dem von Biden in der vergangenen Woche vorgestellten Waffenruhe-Plan zuzustimmen.
Am Sonntag setzte die israelische Armee ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen fort. Vier Mitglieder einer Familie seien bei einem Luftangriff auf ihr Haus in der Stadt Gaza getötet worden, sagten Ärzte des Al-Ahli-Krankenhauses. Auch im zentralen Gazastreifen und in der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens berichteten Anwohner über neue israelische Angriffe.
Auslöser des Gaza-Kriegs war der Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober, bei dem islamistische Kämpfer laut israelischen Angaben 1194 Menschen töteten und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppten. 116 Geiseln befinden sich nach Angaben der israelischen Armee noch in der Gewalt der Hamas. 41 von ihnen sollen bereits tot sein.
Als Reaktion auf den Großangriff der Hamas geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, wurden dabei bislang mehr als 37.000 Menschen getötet.
Die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet ist katastrophal. Am Samstag nahmen die USA nach tagelanger Unterbrechung wegen Sturmschäden die Lieferung von Hilfsgütern über eine Anlegestelle an der Küste des Gazastreifens wieder auf. Dabei seien knapp 492 Tonnen Hilfsgüter für die Bevölkerung im Gazastreifen geliefert worden, erklärte das US-Militär.
E.Rodriguez--AT