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Amanda Knox in Italien wegen Verleumdung verurteilt
Die US-Bürgerin Amanda Knox, die im Zusammenhang mit einem Mordfall in Italien vor Jahren für Schlagzeilen sorgte, ist in einem neuen Prozess am Mittwoch der Verleumdung schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in Florenz bestätigte in einem neu aufgerollten Verfahren im Beisein von Knox die frühere Verurteilung zu einer Haftstrafe, die der 36-Jährigen jedoch erlassen wird.
In dem Verfahren ging es nicht direkt um den Mordfall von 2007, in dem Knox letztlich freigesprochen worden war, sondern um die fälschliche Anschuldigung eines Barbesitzers. Knox weinte, als das Gericht sie wegen Verleumdung erneut zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilte, die sie jedoch nicht antreten muss, da sie bereits im Zusammenhang mit dem Mordfall vier Jahre im Gefängnis saß.
Knox hatte während einer Vernehmung durch die Polizei den unschuldigen kongolesischen Barbesitzer Patrick Lumumba des Mordes an ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher beschuldigt. Dafür war sie 2011 wegen Verleumdung zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
Knox erklärte später, sie sei während der Polizeiverhöre angeschrien und geschlagen worden, und wandte sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser urteilte 2019, dass Knox während ihrer Vernehmung keinen angemessenen Rechtsbeistand oder professionellen Übersetzer an ihrer Seite gehabt habe. Mit Verweis auf dieses Urteil kassierte Italiens Oberstes Gericht im Oktober das Verleumdungsurteil und setzte eine Neuverhandlung an.
"Amanda ist sehr erschüttert über das Ergebnis dieser Anhörung. Ihr ging es um einen Schlusspunkt unter 17 Jahre gerichtlicher Verfahren", sagte ihr Anwalt Carlo Dalla Vedova vor dem Gerichtsgebäude in Florenz. Sie würden die Urteilsbegründung, die binnen 60 Tagen vorliegen werde, sorgfältig lesen und dann über einen möglichen Widerspruch entscheiden.
Knox war 20 Jahre alt gewesen, als ihre britische Mitbewohnerin in der italienischen Stadt Perugia am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der gemeinsamen Wohnung entdeckt worden war. Die Leiche von Meredith Kercher wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war zudem vergewaltigt worden. Der Fall, in dem Knox stets ihre Unschuld beteuerte, sorgte weltweit für Aufsehen.
Knox und ihr damaliger italienischer Freund Raffaele Sollecito wurden 2009 in erster Instanz zu 26, beziehungsweise 25 Jahren Haft verurteilt. Nach einem jahrelangen juristischen Tauziehen sprach das oberste italienische Gericht die beiden 2015 wegen schlampiger Ermittlungen in dem Fall endgültig frei. Knox saß vier Jahre in Italien im Gefängnis, bevor sie in die USA zurückkehren konnte.
Am Mittwoch schilderte sie die Umstände, unter denen sie Lumumba beschuldigt habe. "Ich stand unter Schock, war erschöpft, ohne Wohnung. Die Polizisten haben mich stundenlang verhört, in einer Sprache, die ich kaum verstanden habe, ohne Übersetzer oder Anwalt", sagte sie. "Sie sagten mir, ich hätte etwas so Furchtbares erlebt, dass mein Kopf es verdrängt habe." Einer der Polizisten habe ihr eine Ohrfeige gegeben und gesagt, sie solle sich erinnern. Am Ende sei sie gezwungen gewesen, das Protokoll zu unterschreiben.
"Es tut mir leid, dass ich nicht stark genug war, um dem Druck der Polizisten standzuhalten", sagte sie am Mittwoch. Lumumba hatte nach der Anschuldigung durch Knox zwei Wochen lang in Untersuchungshaft gesessen, bevor er ohne Anklage freigelassen wurde.
Lumumbas Anwalt Carlo Pacelli sagte am Mittwoch, die Verleumdung habe das Leben seines Mandanten geändert. Er sei für alle nur noch "das Monster von Perugia" gewesen. Pacelli zufolge muss Knox seine Anwaltskosten übernehmen und eine Entschädigung zahlen, deren Höhe noch festgelegt werde.
Der einzig rechtskräftig Verurteilte wegen des Mordes an Meredith Kercher ist der Ivorer Rudy Guédé, dessen DNA am Tatort gefunden worden war. Er wurde im Oktober 2008 in Italien wegen Mordes und sexueller Misshandlung zu 30 Jahren Haft verurteilt. Im Berufungsverfahren wurde das Strafmaß auf 16 Jahre gesenkt. Im November 2021 kam er vorzeitig frei.
H.Gonzales--AT