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Französische Wissenschaftler warnen vor Ausweitung der Sterbehilfe
Die französische Medizin-Akademie hat die mögliche Ausweitung der Sterbehilfe auf Kranke "in fortgeschrittenem Stadium" kritisiert. Diese Formulierung sei "unangemessen und gefährlich", betonte das Wissenschaftsgremium am Dienstag kurz nach Beginn der Debatte über das geplante Sterbehilfegesetz in der Nationalversammlung. Die Formulierung schließe auch Patienten mit unheilbaren Krankheiten ein, die damit noch lange leben könnten, betonten die Wissenschaftler.
Die Abgeordneten der Nationalversammlung debattieren seit Montagabend über den Gesetzentwurf. Demnach sollen unheilbar kranke Erwachsene, die bei vollem Bewusstsein sind, um "Hilfe beim Sterben" bitten können. Minderjährige, psychisch Kranke oder Alzheimer-Patienten sind demnach ausgeschlossen. Die Entscheidung soll ein Arzt treffen, nachdem er sich mit anderen beraten hat.
Wenn alle Auflagen erfüllt sind, kann der Arzt laut dem derzeit diskutierten Gesetzentwurf dem Sterbewilligen ein zum Tod führendes Medikament verordnen, das der Patient dann einnimmt. Falls er körperlich dazu nicht in der Lage ist, kann ihm ein Arzt oder eine ihm nahestehende Person dabei helfen.
Gesundheitsministerin Catherine Vautrin schätzte zu Beginn der Debatte, dass bis zu 4000 Sterbende jährlich von dem neuen Gesetz betroffen sein könnten. Wahrscheinlich nähmen dies aber "nur wenige" in Anspruch, sagte sie.
Die Vereinigung für würdevolles Sterben hatte das Gesetzesvorhaben als einen "ersten Schritt zu einem neuen Recht" begrüßt. Die Bischofskonferenz warnte hingegen, dass Menschen sich zu dem Schritt entschließen könnten, um anderen nicht zur Last zu fallen. Die Pflegeverbände fordern zunächst eine Verbesserung der Palliativmedizin, die Sterbende begleitet und versucht, Schmerzen zu lindern.
In Frankreich ist aktive Sterbehilfe bisher verboten. Seit 2016 dürfen Ärzte Sterbenden stark schmerzlindernde Medikamente verabreichen, die das Eintreten des Todes beschleunigen können.
Das Sterbehilfegesetz dürfte die bedeutendste gesellschaftliche Reform der zweiten Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron werden. Mit einer Verabschiedung wird frühestens 2025 gerechnet.
A.Williams--AT