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"Mehr als enttäuscht": Entsetzen über Kippen von Vergewaltigungsurteil gegen Weinstein
Die Aufhebung des ersten Vergewaltigungsurteils gegen den früheren Film-Mogul Harvey Weinstein hat in Hollywood Enttäuschung und Fassungslosigkeit ausgelöst. Scharfe Kritik kam unter anderem von den Schauspielerinnen Rosanna Arquette, Ashley Judd und Mira Sorvino, die dem früheren Filmproduzenten schwere sexuelle Übergriffe vorgeworfen haben. Wegen eines weiteren Vergewaltungsurteils gegen Weinstein in Los Angeles bleibt der 72-Jährige trotz des Wiederaufrollens seines New Yorker Prozesses weiter in Haft.
"Als Überlebende bin ich mehr als enttäuscht", sagte Arquette dem Branchenblatt "Hollywood Reporter" über die Aufhebung des New Yorker Vergewaltigungsurteils. Ashley Judd, die erste Schauspielerin, die mit Missbrauchsvorwürfen gegen Weinstein an die Öffentlichkeit gegangen war, erklärte im Onlinedienst Instagram: "Das ist ungerecht gegenüber den Überlebenden. Wir leben in unserer Wahrheit. Wir wissen, was passiert ist."
"Entsetzt!", reagierte die Schauspielerin Mira Sorvino im Onlinedienst X. Der ehemals sehr mächtige Produzent sei ein "Serien-Sexualstraftäter, der 200 Frauen oder mehr vergewaltigt/ihnen ein Leid angetan hat". Sie sei "angewidert", dass die Justiz mehr den Sexualstraftätern als den Opfern zuneige.
Die Organisation Silence Breakers, in der sich mutmaßliche Opfer von Weinstein zusammengeschlossen haben, nannte die Gerichtsentscheidung "entmutigend". Sie schmälere aber "nicht die Gültigkeit unserer Erfahrungen oder unsere Wahheit".
Die Schauspielerin Rose McGowan, die Weinstein Vergewaltigung vorwirft, erklärte auf Instagram zu dem gekippten Urteil: "Sie werden niemals kippen, wer wir sind." Sie bedankte sich bei allen, die mit "Mut" und "Einigkeit" gegen den Missbrauch eingetreten seien.
Weinstein war 2020 in New York wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Dagegen hatte der heute 72-Jährige Berufung eingelegt. Am Donnerstag hob der Oberste Gerichtshof in New York das Urteil wegen Verfahrensfehlern auf und ordnete eine Neuverhandlung an.
Das Gericht bemängelte unter anderem, dass Frauen in dem Prozess als Zeuginnen zugelassen wurden, deren Fälle nicht Gegenstand der Anklage gewesen seien. Die Entscheidung, das Urteil aufzuheben, fiel allerdings denkbar knapp mit vier gegen drei Stimmen.
Der Anwalt Douglas Wigdor, der bei dem New Yorker Prozess zwei Zeuginnen vertreten hatte, reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung. "Gerichte lassen regelmäßig Beweise zu Taten zu, die nicht zu den Anklagepunkten zählen, um den Geschworenen zu helfen, die Problematik hinsichlich der Motive oder Vorgehensweisen des Beschuldigten zu verstehen", erklärte er.
Nach dem Prozess in New York war Weinstein in Los Angeles wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe zusätzlich zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Strafrechtsprofessorin Aya Gruber sagte der Nachrichtenagentur AFP, angesichts großer Unterschiede bei den Verfahrensregeln sei es unwahrscheinlich, dass die New Yorker Entscheidung "irgendeine Auswirkung" auf das Urteil in Los Angeles habe.
Die Enthüllungen über den einst gefeierten Filmproduzenten hatten 2017 die weltweite #MeToo-Bewegung ausgelöst. Dutzende Frauen, darunter Stars wie Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie, hatten ihm sexuelle Angriffe bis hin zur Vergewaltigung vorgeworfen. Weinstein wies alle Vorwürfe zurück und sprach von einvernehmlichem Sex. In vielen Fällen waren die mutmaßlichen Taten bereits verjährt.
Tarana Burke, Initiatorin der #MeToo-Bewegung, kritisierte vor Reportern: "Das Rechtssystem in diesem Land hat nie den Überlebenden gedient." Weil bei #MeToo "mutige Frauen" ihr Schweigen gebrochen hätten, hätten "Millionen und Abermillionen andere die Stärke gefunden", sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren. "Das wird immer der Sieg sein", sagte Burke.
E.Hall--AT