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Kreml will sich nicht zu IS-Bekenntnis zu Angriff äußern: "Ermittlungen dauern an"
Auch drei Tage nach dem Angriff auf einen Konzertsaal am Stadtrand von Moskau mit 137 Toten hat es der Kreml abgelehnt, sich zum Bekenntnis der Dschihadistenmiliz IS zur Tat zu äußern. "Die Ermittlungen dauern an", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag zu Reportern. Auch auf eine Frage zu Berichten, nach denen vier Beschuldigte nach ihrer Festnahme gefoltert wurden, wollte Peskow nicht antworten. Von den vier Verdächtigen bekannten sich nach Gerichtsangaben zwei schuldig.
Maskierte Angreifer waren am Freitagabend in die voll besetzte Crocus City Hall im nordwestlich gelegenen Moskauer Vorort Krasnogorsk eingedrungen und hatten dort das Feuer eröffnet. Nach Angaben des russischen Ermittlungskomitees vom Sonntag wurden mindestens 137 Menschen getötet, darunter drei Kinder.
Die Behörden erwarten, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt. Rettungskräfte würden noch bis Dienstagabend in den Trümmern des Konzertsaals nach Toten suchen, erklärte Andrej Worobjow, Gouverneur der Region Moskau. 97 Menschen befanden sich noch im Krankenhaus. Insgesamt wurden 182 Menschen bei dem Angriff verletzt.
Kurz nach dem Angriff reklamierte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Tat für sich und bekräftigte dies später mehrfach. Dem IS nahestende Medienkanäle haben zudem Videos von den Bewaffneten in dem Konzertsaal veröffentlicht. Der russische Präsident Wladimir Putin stellte hingegen eine Verbindungslinie zwischen dem Angriff und der Ukraine her. Die Regierung in Kiew weist jegliche Verwicklung in den Angriff zurück.
"Es wurde noch keine kohärente Version vorgebracht", sagte Peskow. "Wir sprechen nur über vorläufige Daten." Der Kampf gegen den Terrorismus "erfordert eine vollständige internationale Zusammenarbeit", gab er weiter an. Doch diese finde "überhaupt nicht" statt.
Das russische Staatsfernsehen erwähnte am Montag weder den IS noch die Ukraine, berichtete aber, dass die Schulen des Landes spezielle Unterrichtsstunden zum Thema Terrorismus abhalten würden.
Der russische Präsident Wladimir Putin plane nicht, den Tatort zu besuchen, sagte Peskow überdies. Für den Staatschef steht am Montag noch ein Treffen mit Verantwortlichen aus dem Sicherheitsbereich und politischen Vertretern an.
Am Sonntag hatte die russische Justiz zweimonatige Untersuchungshaft für vier Beschuldigte angeordnet. Peskow weigerte sich am Montag, auf eine Frage zu Berichten zu antworten, nach denen die Männer nach ihrer Festnahme gefoltert wurden. "Ich werde diese Frage unbeantwortet lassen", sagte der Kreml-Sprecher.
Auf den im Staatsfernsehen gezeigten Aufnahmen hatten drei der Männer Blut im Gesicht. Ein im Internet verbreitetes Video scheint zu zeigen, wie einem Verdächtigen das Ohr durchtrennt wird, die Echtheit der Aufnahme konnte aber nicht verifiziert werden.
Einer der russischen Oppositionellen im Exil, Leonid Wolkow, verurteilte am Montag einen Versuch der Sicherheitsdienste, mit der Veröffentlichung dieser Videos von ihrer "Machtlosigkeit" und ihrem "Scheitern" ablenken zu wollen.
Während der Anhörungen der Männer am Sonntagabend vor dem Bezirksgericht im Moskauer Distrikt Basmanny hatte einer von ihnen einen weißen Verband am Ohr. Beamte des Inlandsgeheimdienstes FSB rollten einen der Verdächtigen auf einer Art Krankentransportstuhl in die Anhörung, seine Augen waren kaum geöffnet.
Nach Berichten russischer Staatsmedien sollen alle tadschikische Staatsbürger sein. Zwei von ihnen hätten sich schuldig bekannt, erklärte das Gericht.
Zu den sieben weiteren Verdächtigen, die im Zusammenhang mit dem Angriff nach Angaben des Kreml festgenommen wurden, wurden zuletzt keine weiteren Angaben bekannt.
Zahlreiche Länder hatten die Tat von Krasnogorsk verurteilt. Der französische Präsident Emmanuel Macron bot Russland am Montag eine "verstärkte Zusammenarbeit" mit Blick auf die Terrorbekämpfung an. Der am Angriff "beteiligte" Ableger des IS sei "für mehrere Anschlagsversuche in den vergangenen Monaten" in Frankreich verantwortlich, sagte Macron.
H.Gonzales--AT