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Griechenland gedenkt der Opfer des schweren Zugunglücks vor einem Jahr
In Griechenland ist am Mittwoch der Opfer des schwersten Zugunglücks in der Geschichte des Landes gedacht worden. Vor einem Jahr waren 57 Menschen bei der Kollision von zwei Zügen ums Leben gekommen. Um den Druck zu erhöhen, die Unglücksursache endlich vollständig aufzuklären, riefen mehrere Gewerkschaften zu einem 24-stündigen Streik auf. Vor allem der öffentliche Dienst und der Verkehrssektor waren betroffen, landesweit gab es Demonstrationen.
Seit Mitternacht kam in Griechenland der Zug- und Fährverkehr praktisch zum Erliegen. U-Bahnen und Taxis standen ebenfalls still. Taxifahrer und Fluglotsen nutzten den Streik auch, um gegen die hohen Lebenshaltungskosten zu protestieren.
Auch Adedy, die Gewerkschaft für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, rief dazu auf, die Arbeit 24 Stunden lang niederzulegen. "Ein Jahr danach sind die für die Tragödie Verantwortlichen immer noch nicht für ihre kriminellen Taten zur Verantwortung gezogen worden", erklärte Adedy. "Wir setzen den Kampf fort (...), um jeden Versuch der Verschleierung der Verantwortlichkeiten zu vereiteln."
Am Unglücksort in Tempi nahe der Stadt zentralgriechischen Larissa versammelten sich Angehörige der Todesopfer des Zugunglücks sowie Überlebende. Sie legten Blumen und Fotos nieder. Auch Rettungskräfte kamen zu dem Gedenken rund 350 Kilometer nördlich von Athen.
Am Vormittag läuteten in allen Kirchen des Landes die Glocken 57 Mal, um an die 57 Todesopfer des Zugunglücks zu erinnern. Ein Gedenkgottesdienst ist für Sonntag geplant.
Am 28. Februar 2023 waren ein Güterzug und ein Passagierzug kollidiert, nachdem sie bereits 19 Minuten lang auf dem selben Gleis gefahren waren. In dem Passagierzug waren wegen eines langen Wochenendes etwa 350 Menschen unterwegs, darunter viele Studenten. Verursacht wurde das Unglück nach den bisherigen Erkenntnissen nicht nur durch menschliches Versagen, sondern auch durch schwerwiegende strukturelle Mängel bei der Bahn.
Der konservative Regierungschef Kyriakos Mitsotakis sprach zum Jahrestag von einem "Kollektivversagen", das zu einem "nationalen Trauma" geführt habe. "Das menschliche Versagen ist auf fatale Weise mit dem anhaltenden Versagen des Staates zusammengefallen", räumte der Ministerpräsident, der vor einem Jahr bereits im Amt war, in einer Erklärung ein. Er versprach, dass die Schuldigen bestraft würden.
Die Befragungen der offiziellen Untersuchung des Unglücks sollen bis zum 8. Mai abgeschlossen werden. Gegen 34 Bahn-Mitarbeiter und Behördenvertreter wird ermittelt. Ein erster Prozess dürfte aber nicht vor Juni beginnen. Der damals zuständige Bahnhofsvorsteher und sein Vorgesetzter sitzen in Untersuchungshaft.
Das Zugunglück hatte den Rücktritt des Verkehrsministers, Massenproteste sowie eine Petition für eine leichtere Strafverfolgung von Politikern nach sich gezogen. Mit der Behebung der zahlreichen Mängel im Schienenverkehr wurde begonnen, allerdings kommt die Modernisierung nur langsam voran.
H.Romero--AT