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Chile nimmt mit Staatsbegräbnis Abschied von verunglücktem Ex-Präsidenten Piñera
Mit einem Staatsbegräbnis hat Chile Abschied von dem bei einem Hubschrauberabsturz tödlich verunglückten Ex-Präsidenten Sebastián Piñera genommen. Zu den Klängen einer Militärkapelle brachte ein Trauerzug Piñeras mit der chilenische Flagge umhüllten Sarg am Freitag zu einem Trauergottesdienst in einer Kathedrale in der Hauptstadt Santiago. Später sollte das frühere Staatsoberhaupt im engsten Familienkreis beigesetzt werden.
Piñera war am Dienstag bei einem Hubschrauberabsturz im Alter ums Leben gekommen. Er hinterlässt seine Frau, vier Kinder und neun Enkelkinder. Drei weitere Menschen, die mit dem 74-Jährigen an Bord waren, überlebten den Unfall.
Chiles linksgerichteter Präsident Gabriel Boric räumte am Freitag bei einer Trauerzeremonie im Kongress ein, dass "Beschwerden und Schuldzuweisungen" gegen Piñera mitunter "über das hinausgegangen" seien, was "fair und vernünftig war". "Ich erkenne und schätze es, dass er sich nie gescheut hat, Hilfe und Rat zu geben, trotz der öffentlichen Differenzen, die wir in der Vergangenheit hatten", sagte Boric. Zuletzt habe ihn sein Vorgänger am Tag vor dem Unglück angerufen, um mit ihm über die verheerenden Waldbrände in der Küstenregion Valparaíso zu sprechen.
Chiles sozialistische Ex-Präsidentin Michelle Bachelet würdigte Piñera als einen Politiker, der sich noch während der Pinochet-Diktatur und auch später zu Zeiten sozialer Unruhen für "die institutionelle Lösung" entschieden und dem Volk durch Abstimmungen "eine Stimme" gegeben habe.
Piñera war zweimal Präsident des südamerikanischen Landes: von 2010 bis 2014 und von 2018 bis 2022. Er war der erste rechtsgerichtete Präsident nach dem Ende der Pinochet-Diktatur im Jahr 1990. Der Ex-Präsident war häufig in seinem eigenen Hubschrauber unterwegs. Er war ehemaliger Anteilseigner von Chiles nationaler Fluggesellschaft und zudem an einem Fernsehsender und anderen Unternehmen beteiligt. Die Zeitschrift "Forbes" schätzte sein Nettovermögen auf 2,4 Milliarden Dollar (rund 2,23 Milliarden Euro).
Während seiner ersten Amtszeit leitete der Harvard-Absolvent und Wirtschaftswissenschaftler den Wiederaufbau Chiles nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami im Jahr 2010. Er beaufsichtigte zudem die erfolgreiche Rettung von 33 in der Atacama-Wüste eingeschlossenen Bergleuten. Während seiner zweiten Amtszeit sah sich Piñera jedoch mit einer wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung angesichts der in Chile tief verwurzelten sozialen Ungleichheit konfrontiert, die zu massiven Protesten führte.
Die Corona-Pandemie und die schlimmste Wirtschaftskrise im Land verschärften Piñeras Probleme. Es folgten Ermittlungen wegen Korruption und Steuervergehen nach Enthüllungen der Pandora Papers, der Präsident entging nur knapp einem Amtsenthebungsverfahren und beendete seine zweite Amtszeit mit sehr niedrigen Zustimmungswerten.
S.Jackson--AT