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Suche nach Motiven für Schusswaffenangriff in Prag dauert an
In Tschechien sind die Behörden nach dem Schusswaffenangriff mit 14 Todesopfern in der Prager Karls-Universität weiter auf der Suche nach den Motiven des Angreifers. Die Behörden bestätigten am Freitag, dass der 24-jährige Schütze nach der Tat Suizid begangen habe. Während Ermittler in der Universität weiter Spuren sicherten, versammelten sich vor ihr Regierungschef Petr Fiala und viele andere Menschen an einem improvisierten Gedenkort. Die Hochschule, Familien und Freunde veröffentlichten unterdessen erste Namen der Toten.
Der 24-jährige Schütze hatte am Donnerstag 13 Menschen erschossen und 25 weitere verletzt. Eines der verletzten Opfer starb später im Krankenhaus. Zwei der Verletzten kämen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, ein verletzter Mensch habe die niederländische Staatsbürgerschaft, sagte Innenminister Vit Rakusan. Der 24-Jährige schoss nach Polizeiangaben von einem Balkon.
"Dies sind extrem grausame Nachrichten für uns alle", schrieb das Musikwissenschaftliche Institut im Onlinedienst Facebook, nachdem bekannt wurde, dass die 49-jährige Institutsleiterin Lenka Hlavkova unter den Todesopfern ist. Auch der Übersetzer und Experte für finnische Literatur Jan Dlask und die Studentin Lucie Spindlerova wurden getötet.
Die Polizei bestätigte am Freitag außerdem die Vermutung, dass sich der Schütze nach der Tat selbst tötete. Er war selbst Student an der Karls-Universität. Polizeichef Martin Vondrasek sagte nach der Inspektion des Tatorts, es "die erschütterndste Erfahrung" in 31 Dienstjahren gewesen.
Bereits am Donnerstag hatte der Innenminister erklärt, es gebe keine Hinweise auf einen Zusammenhang zum internationalen Terrorismus. Bei dem Schützen handelte es sich demnach um einen Einzeltäter. Er war nicht polizeibekannt und verfügte den Ermittlern zufolge über ein "riesiges Arsenal an Waffen und Munition".
Dennoch nahm die Polizei seitdem vier Menschen fest, weil sie entweder mit einer Nachahmung der Tat drohten oder diese befürworteten. Bis mindestens Neujahr sollen laut Vondrasek Polizeiwachen an einigen Orten, darunter mehreren Schulen, im Einsatz bleiben.
Der Angriff war an einem Gebäude der Karls-Universität im historischen Zentrum von Prag verübt worden. Nach Angaben von Vondrasek hatten die Beamten schon zuvor mit der Fahndung nach dem 24-Jährigen begonnen, nachdem der Vater des Mannes tot im Ort Hostoun westlich von Prag aufgefunden wurde. Dort wurde demnach auch eine Notiz des Täters gefunden, in der er ankündigte, sich in Prag selbst töten zu wollen.
Die Polizei durchsuchte daraufhin das Hauptgebäude der Philosophischen Fakultät in der Vermutung, den 24-Jährigen dort bei einer Vorlesung anzutreffen. Der Schütze hatte jedoch ein anderes Gebäude der Fakultät betreten und wurde nicht rechtzeitig angetroffen.
Gegen 15.00 Uhr gingen schließlich erste Informationen über Schüsse ein. Die schnelle Eingreiftruppe war laut Vondrasek innerhalb von zwölf Minuten vor Ort. Gegen 15.20 Uhr wurde die Leiche des Schützen gefunden.
Der 24-Jährige wird zudem verdächtigt, am 15. Dezember einen jungen Mann und dessen zwei Monate alte Tochter bei einem Spaziergang im Wald getötet zu haben. Eine ballistische Analyse habe ergeben, dass die im Wald benutzte Waffe "identisch" sei mit einer Waffe, "die im Haus des Universitätsschützen gefunden wurde", schrieb die Polizei im Onlinedienst X, vormals Twitter.
Vor der Universität in der Nähe der berühmten Prager Karlsbrücke entstand ein improvisierter Gedenkort mit hunderten Kerzen. Für Samstag rief die tschechische Regierung einen nationalen Trauertag aus.
Die Tat sei für Tschechien absolut beispiellos, sagte der 17-jährige Richard Smaha der Nachrichtenagentur AFP. "Dies ist nicht Amerika, solche Dinge passieren in Tschechien nicht. Ich finde, das ist furchtbar."
Die Tat löste über die Landesgrenzen hinaus Entsetzen aus. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), das Weiße Haus in Washington und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kondolierten.
B.Torres--AT