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Abzocke an deutschen Zapfsäulen?
Die hohen Kraftstoffpreise in Deutschland sind zum Politikum geworden. Seit dem Krieg im Iran und der zeitweisen Sperrung der Straße von Hormus steigen die Ölpreise weltweit. Die Notierungen für Rohöl stiegen um rund 20 Prozent auf 84 Dollar je Barrel, und der Preis für Diesel am wichtigsten europäischen Handelsplatz Rotterdam kletterte seit Beginn des Konflikts um 26 Cent je Liter, was fast 50 Prozent entspricht. Damit zahlten deutsche Autofahrer Mitte März 2026 im Durchschnitt 2,156 Euro pro Liter Diesel und 2,037 Euro für Super E10.
Vertreter der Tankstellenpächter weisen darauf hin, dass sie die Preise nicht selbst festlegen. Rohöl sei oft zu günstigeren Preisen eingekauft und gelagert worden, werde nun aber erheblich teurer verkauft – ein Geschäftsgebaren, das ein Sprecher des Tankstellen‑Interessenverbands als „Raubtierkapitalismus“ bezeichnet. Die Preisgestaltung liege bei den Mineralölkonzernen; Pächter und Kassierer ernteten jedoch den Unmut der Kundschaft. Gleichzeitig bricht der Umsatz in den Shops ein, weil viele wütende Autofahrer nach dem teuren Tanken nichts mehr kaufen.
Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz reagiert auf den Druck mit einem Maßnahmenpaket: Künftig dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag um zwölf Uhr erhöhen, Preissenkungen sind jederzeit erlaubt, und Teile der staatlichen Ölreserve sollen freigegeben werden. Das Bundeskartellamt bekommt mehr Befugnisse. Kritiker, darunter der Sozialverband Deutschland, nennen diese Schritte unzureichend. Die Vorsitzende Michaela Engelmeier warnt, dass ohne Preisdeckel die Menschen sich der Preiswillkür der Konzerne ausgeliefert fühlten, und fordert gezielte Entlastungen für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Politiker der SPD drängen auf einen Preisdeckel, um zu verhindern, dass Verbraucher „ausgenommen“ werden, während Wirtschaftsministerin Katherina Reiche einen staatlichen Tankrabatt ablehnt.
Die Kritik endet nicht bei den offiziellen Verbänden. In sozialen Netzwerken finden hitzige Debatten statt. Viele Kommentare sprechen von „Abzocke“, beschreiben das Gefühl, von Ölkonzernen und Staat gleichermaßen ausgenommen zu werden, und zweifeln an der Kompetenz der Regierung. Einige fordern eine transparente Offenlegung der Gewinnmargen und eine konsequente Aufsicht durch die Behörden. Andere sehen die hohen Preise als Resultat jahrzehntelanger politischer Fehler – vom späten Ausbau der Ladeinfrastruktur für E‑Autos über die zögerliche Förderung des öffentlichen Nahverkehrs bis hin zu einer Steuerpolitik, die fossile Kraftstoffe weiter verteuert.
Die politische Ebene reagiert unterschiedlich. Die CDU setzt auf Marktmechanismen und verweist auf den globalen Rohölmarkt, der sich nach Kriegsbeginn angespannt hat. Die Linke verlangt ein schnelles Ergebnis der kartellrechtlichen Prüfung. Vertreter der Grünen und des Umweltministeriums verweisen auf die Notwendigkeit, auf batterieelektrische Fahrzeuge umzusteigen, um die Abhängigkeit vom Ölpreis zu reduzieren. Die SPD fordert zugleich einen Preisdeckel und soziale Entlastungen. Trotz des Maßnahmenpakets bleibt bei vielen Bürgern das Gefühl, dass die Regierung nicht entschlossen genug handelt.
Der Unmut der Autofahrer spiegelt sich in Wahlumfragen und Protestaktionen wider. Kunden boykottieren nach eigenen Angaben bestimmte Marken, weichen ins Ausland aus oder organisieren gemeinschaftliche Fahrten. In regionalen Medien berichten Tankstellenbetreiber von aggressiven Kunden. Der zunehmende Druck könnte die Politik zum Handeln zwingen – ob durch strengere Regulierung der Mineralölkonzerne, steuerliche Entlastungen oder eine klare Strategie für bezahlbare Mobilität.